Der Myvatn (Mückensee)

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Der kleine Ort Reykjahlid am nordöstlichen Seeufer ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge im Myvatn-Gebiet • Kartendaten von OpenStreetMap und Mitwirkenden

Der Myvatn ist ein natürlicher See im Nordosten von Island. Er gehört mit seiner eindrucksvollen und bizarren Landschaft, seiner Vielfalt der Fauna sowie den unzähligen Naturphänomenen in seinem Umfeld zu den größten Touristenattraktionen dieser Vulkaninsel im Nordatlantik.

Der Myvatn entstand in den letzten 3500 Jahren - also in geologisch sehr kurzer Zeit - in mehreren Etappen durch die dieses Gebiet prägenden unterirdischen Kräfte. Sein ungefähres heutiges Antlitz erhielt der See vor rund 2000 Jahren.

Am Myvatn berühren sich die eurasische und die amerikanische Kontinentalplatte - oder, anders formuliert - sie driften hier auseinander. Die Erdkruste ist in diesem Gebiet nur sehr dünn und das gesamte Areal einer ständigen Veränderung unterworfen. Zahlreiche Risse und Spalten fördern unentwegt Tiefenmaterial und Gase an die Erdoberfläche. Diese Phänomene bilden die Grundlagen für diverse, von der Natur geschaffene Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung des Sees.

Der Myvatn weist in seiner größten Nord-Süd-Ausdehnung etwa 11 Kilometer Entfernung zwischen den entgegengesetzt liegenden Ufern auf, in West-Ost-Richtung sind es rund 7 Kilometer. Das gesamte Gewässer bedeckt eine Fläche von ca. 37 Quadratkilometern. Es besitzt etwa 50 Inseln und eine Vielzahl an Halbinseln. Damit gilt der Myvatn als viertgrößter natürlicher See Islands.

Den See umgeben außerdem umfangreiche Feuchtgebiete vor allem im Süden und Westen. Dort gibt es zahlreiche weitere kleinere Gewässer im näheren Umfeld. Einige dieser kleinen Seen befinden sich sogar auf den Inseln und Halbinseln des Myvatn.

Eine Besonderheit des Myvatn ist die geringe Tiefe des Sees. Sie beträgt maximal fünf Meter, was im Sommer eine rasche Erwärmung des Wassers zur Folge hat. Reichlich Nährstoffe aus den Zuflüssen und aus geothermalen Quellen bilden die Nahrungsgrundlage für im warmen Wasser schnell wachsende Algen. Dort legen Mücken ihre Larven ab, welche hier ebenfalls eine Fülle an Nahrung vorfinden.

Die Folge sind im Zeitraum von Juni bis August riesige, Nebelschwaden gleichende Mückenschwärme auf und am See. Daher leitet sich auch die Bezeichnung Mývatn ("Mückensee" - wörtlich: "Mückenwasser") ab. Die Mücken wiederum stellen ein üppiges Nahrungsangebot für unzählige Fisch- und Vogelarten dar. Unter diesen befinden sich rund ein dutzend Entenarten - was in dieser Anzahl einzigartig ist.


Am Nord- und Westufer führt die Nationalstraße 1 (Ringstraße - "Þjóðvegur") entlang, welche vielfach einen Blick auf den See freigibt. Die Straße verläuft an manchen Stellen nur wenige Meter vom Ufer entfernt. Im Süden und Osten können Sie auf einer Landstraße (848 - "Mývatnsvegur") am Ufer entlangfahren. Diese Strecke führt ebenfalls an einigen Stellen in direkter Ufernähe entlang und ermöglicht somit imposante Aussichten auf das Gewässer.


Reykjahlid (Reykjahlíð) ist mit rund 200 ständigen Einwohnern der einzige größere Ort im Myvatn-Gebiet. Er befindet sich im Nordosten des Sees direkt an der Ringstraße. In Reykjahlid gibt es mehrere Hotels, Campingplätze, Einkaufsmöglichkeiten und weitere touristische Infrastruktur. Nordwestlich des Dorfes liegt ein kleiner Regionalflughafen, welcher nur von Orten innerhalb Islands angeflogen wird. In den Sommermonaten starten von dort Rundflüge über die nähere Umgebung.

Im Nordwesten des Myvatn gibt es als Abzweig von der Nationalstraße 1 eine gute Verkehrsanbindung (87) nach Husavik. Diese Route dient u.a. im Falle einer plötzlich akut werdenden vulkanischen Aktivität als Fluchtroute für die Bevölkerung und ihre Gäste.


Der Myvatn mit seinen zahlreichen Inseln und Bewohnern im und auf dem Wasser ist sehr sehenswert, doch für sein näheres Umfeld gilt dies gleichermaßen. Vor allem östlich des Sees sowie an allen Uferbereichen gibt es noch eine Vielzahl weiterer Attraktion zu besichtigen und zu erwandern.

Besonders im Süden finden Sie in Ufernähe und auf einigen Inseln unzählige Pseudokrater vor. Diese unter Naturschutz stehenden Gebilde aus Lavagestein sehen normalen Kratern nicht unähnlich, sind aber kleiner und vor allem ganz anders entstanden. Als vor mehr als 2000 Jahren Lava über den feuchten Boden floß, bildete sich unter der erstarrenden, aus dem Erdinneren hervorgequollenen Gesteinsschicht unter hohem Druck stehender Wasserdampf. Dieser sprengte explosionsartig die Lavadecke auf und hinterließ relativ kreisförmige kraterähnliche Öffungen. Da diese "Krater" aber niemals selbst flüssiges Gestein an die Erdoberfläche befördert haben, bezeichnet man sie als "Pseudokrater".

Zwei Kilometer vom Ostufer des Myvatn entfernt erhebt sich der Hverfjall. Dieser vor rund 2500 Jahren bei einem Vulkanausbruch entstandende Ringwallkrater erhebt sich etwas mehr als 150 Meter aus der umgebenden Landschaft empor. Der Krater hat einen Durchmesser von etwa einem Kilometer und kann auf einem steilen Fußweg erklommen und auf dem Rand umrundet werden.

Eine weitere Sehenswürdigkeit sind die Dimmuborgir, ein auf markierten Wegen erkundbares Labyrinth aus außergewöhnlich bizarren Lavasäulen. Auch sie verdanken ihre Entstehung dem Vulkanismus in Verbindung mit dem Wasser des von der Lava bedeckten Erdbodens. Anders als bei den Pseudokratern entwich der Wasserdampf hier durch kaminartige Schächte, welche aus erstarrtem Gestein inmitten eines Lavasees bestanden. Der diesen Lavasee ermöglichende Damm brach schließlich, worauf die flüssigen Gesteinsmassen abflossen und die "Dampfschächte" wie Ruinen einer Stadt in der Landschaft zurückblieben.

Zum Besuch der Dimmuborgir folgen Sie dem Abzweig von der Straße 848 am Ostufer des Myvatn südwestlich des Hverfjall-Kraters. Am Ende dieser Straße befindet sich ein Wanderparkplatz, welcher als Ausgangspunkt für Wanderungen durch das Dimmuborgir-Gebiet dient.

Das Myvatn-Gebiet geht im Nordosten in die Vulkanregion Krafla über. Der sehenswerte Viti-Krater mit seinem malerischen Kratersee liegt rund 11 Kilometer nordöstlich von Reykjahlid. Unweit des Vulkans steht seit dem Jahre 1975 ein nur mit einem kleinen Teil seiner möglichen Nennleistung arbeitendes Erdwärmekraftwerk. Seinerzeit wurden 22 Bohrlöcher bis zu 2200 Meter tief in den heißem Boden getrieben. Bald darauf setzte eine rund 10 Jahre währende Ausbruchsserie in der Region ein, welche man auch als "Krafla-Feuer" bezeichnete. Der pittoreske Viti-Krater läßt sich gut über den Abzweig von der Ringstraße in Richtung Kraftwerk erreichen.

Wenige Kilometer östlich von Reykjahlid befindet sich direkt an der Nationalstraße 1 ein Areal mit Dampfquellen und kochenden Schlammtümpeln. Unter teilweise erheblichen Geräuschen strömt aus dem heißen Untergrund übel riechender Dampf mit einem hohen Anteil an Schwefelwasserstoff ans Tageslicht. Manche dieser Solfataren genannten Schlammlöcher köcheln still vor sich hin, andere dagegen verspritzen ihren bis zu 100 Grad Celsius heißen Inhalt brodelnd in der Umgebung. Damit verursachen sie u.a. farbenfrohe Ablagerungen in ihrem Umfeld. Einstmals baute man hier diese schwefelhaltigen Sedimente als Ausgangsmaterial für die Schießpulverproduktion im Tagebau ab. Es ist nicht ratsam, die Absperrungen zu mißachten, nicht zuletzt auf Grund des instabilen Bodens.

Östlich des Myvatn befindet sich die Grenze zwischen den beiden oben genannten Kontinentalplatten. Deren Verlauf zeigen an der Erdoberfläche Spalten an, welche sich jährlich um mehrere Zentimeter verbreitern. Diese Spalten sind teilweise mit erhitztem Grundwasser gefüllt, aus manchen steigt heißer Dampf empor.


Das Myvatn-Gebiet eignet sich ideal für Wanderungen. Entsprechendes Wetter vorausgesetzt sind unterwegs unzählige imposante Ausblicke garantiert. In der Nähe der meisten Attraktionen befinden sich gut erreichbare Parkplätze. Es können auch Wanderungen von einer zur anderen Sehenswürdigkeit unternommen werden, aber die Entfernungen sind erheblich und viele Areale abseits der Wege unpassierbar und gefährlich. Diese Umstände, die eigene Kondition sowie die Wetterlage sollten stets bei einer Entscheidung für eine bestimmte Route mit berücksichtigt werden.

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Der Krater HverfjallDie Dimmuborgir

In der näheren Umgebung befinden sich:
Der Godafoss-Wasserfall


Island - allgemeine Informationen

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