Asatru (Ásatrúarfélagið)

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Odin
Odin (Óðin) mit seinem stets das Ziel treffenden Speer Gungnir und
dem unvermeidlichen Trinkgefäß • Foto: fm

Asatru (Ásatrúarfélagið) ist eine Religionsgemeinschaft in Island. Ihre Mitglieder verehren die Götter des vorchristlichen nordischen Pantheons, so wie es bis in das Hochmittelalter hinein auch in weiten Teilen Nord- und Mitteleuropas geschah. Der Name bedeutet sinngemäß "Asentreue" und bezieht sich auf das dominierende Göttergeschlecht der Asen. Im Unterschied zu vielen anderen Religionen kommt Asatru ohne Vorstellungen von Sünde, Hölle und Paradies aus. Es gibt auch keinen Götterglauben im eigentlichen Sinne, sondern mehr eine Anbetung und Verehrung, welche sich u.a. in Opfergaben äußert.

Mit der Zwangschristianisierung der Isländer im Jahre 1000 war auf der Insel am Nordrand des Nordatlantiks der Glaube an Jesus Christus der einzig verbindliche. Die Anbetung der alten Götter war von diesem Zeitpunkt an bis zur Erlangung der Religionsfreiheit im Jahre 1874 verboten. Es sollte aber noch viel Lava aus den isländischen Vulkanen fließen, ehe die Menschen die damit verbundenen Möglichkeiten auch nutzten.

Die Asatru-Gemeinde wurde schließlich im Jahre 1972 von einem kleinen Personenkreis um den Dichter Sveinbjörn Beinteinsson gegründet. Das Oberhaupt der Gemeinschaft ist der Hochgode, ihm unterstellt sind die "Goden" genannten Priester.

Seit 1973 ist Asatru in Island als Religion offiziell anerkannt. Mit dieser Einstufung sind entsprechende Privilegien verbunden. Die Goden haben z.B. die Erlaubnis zur Durchführung von Eheschließungen, Namensgebungen und Beerdigungen. Zu der kontinuierlich wachsenden Religionsgemeinschaft bekennt sich inzwischen etwa ein Prozent der Bevölkerung Islands.

Ist Ásatrúarfélagið nun eine alte oder eine neue Religion?
Keine dieser beiden Schubladen scheint die Passende zu sein. Die frühesten erhaltenen schriftlichen Überlieferungen über das Leben und Wirken der nordischen Götter, welche wir in Sammlungen wie z.B. der sog. "Edda" nachlesen können, entstanden erst im Hochmittelalter in einer - zumindest nach außen hin - christlichen Gesellschaft.

Viele der Autoren der einzelnen Erzählungen verfolgten mit der Niederschrift bisher mündlich weitergegebener Geschichten, Anekdoten und Erinnerungen die Bewahrung des alten Wissens und waren um Authentizität bemüht. Die dortigen Aussagen mögen im Kern dem ursprünglichen Glauben entsprechen, doch im Detail muß man mit Verfälschungen unter dem Einfluß der dem Volk aufoktruierten neuen Religion rechnen. Als alleinige Basis für Asatru sind die alten Überlieferungen somit ungeeignet.

Das heutige Asatru weist in der Praxis viele neue und moderne Elemente auf. Dazu gehören z.B. der Umweltschutz und Werte wie Toleranz, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit. Der Glaube an die heidnischen Götter der Wikinger, Angelsachsen und Germanen präsentiert sich in unseren Tagen als moderne Religion mit uralten Wurzeln.

Die zentrale Götterfigur sowohl der klassischen als auch der nordischen Religion unserer Tage ist der nur mit einem Auge auskommen müssende Odin (Óðin). Auf Grund seiner körperlichen Einschränkung ist er aber mitnichten der Einäugige als König unter Blinden, sondern eher ein primus inter pares inmitten einer Vielzahl bedeutender und speziellen Aufgaben und Situationen zugeordneter Götter und Göttinnen. Sein Auge opferte er zudem für die Möglichkeit, aus Mimirs Brunnen zu trinken und somit eine außergewöhnliche Weisheit zu erlangen, also letztendlich für die Weiterentwicklung seiner Persönlichkeit. Diese Handlung steht beispielhaft für das Wesen dieser Religion und kann als Vorbild für deren weltliche Vertreter gelten.

Die im Asatru verehrten Gottheiten zeigen viele menschliche Wesenszüge. Sie sind nicht unnahbar und weder allwissend noch allmächtig und schon gar nicht unfehlbar. Diese Merkmale erleichtern für eine große Anzahl Menschen den Zugang zu diesen Göttern. Durch ihre manchmal gar nicht so göttlichen Eigenschaften baut sich zwischen Odin und seinen Getreuen einerseits und zu dem Gläubigen andererseits keine persönliche Distanz auf.

Die die nordischen Götter verehrenden Menschen sind in ihren religiösen Handlungen relativ ungezwungen und frei. Es gibt einige feste Rituale wie Blót-Feiern, also Opferfeierlichkeiten für die Götter zu diversen Anlässen wie z.B. Winter- und Sommersonnenwende. Diese Zusammenkünfte der Gemeinde finden meist unter freiem Himmel statt. Sie sind ohne zwingende Verpflichtung einer Teilnahme, dafür aber offen für alle interessierten Personen, also nicht nur für die Mitglieder der Asatru-Gemeinschaft.

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